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Der Weißkehl wird von der Mehrheit der Aquarianer als der schönste aller Doktorfische gesehen. Gleichzeitig gilt er jedoch in seiner Haltung auch als der Heikelste von allen. Dies ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. Seine schöne Farbe, perfekte Körperform, und sein überaus interessantes Verhalten werden ihm zum Verhängnis und gerade Anfänger können von ihm keinen Abstand nehmen. Vor vielen Jahren hat er auch mich verzaubert. Es war der Anfang meiner Salzwasserleidenschaft und mein 700-Liter-Aquarium mit gemischten Stein- und Weichkorallen bestand lief bereits seit einem Jahr ohne größere Probleme. Trotz einer der Gewissheit dass der Fisch schwer haltbar sein würde, entschied ich mich ihn zu kaufen. Aus mehreren gesund aussehenden Exemplaren entschied ich mich für einen Halbgewachsenen. Meine Frage zum Umgang mit dem Fisch wurde wenig aussagekräftig beantwortet. Im Nachhinein glaube ich, dass der Verkäufer sich selbst nicht traute kompetente Ratschläge zu geben. Nach drei Stunden Eingewöhnungszeit um die Wasserparameter auszugleichen, setzte ich ihn ins Aquarium. Meine Befürchtungen die ich bezüglich der Aggression der alten Beckeninsassen (Zebrasoma flavescens und xanthurum) hatte, bestätigten sich nicht. Mein Traumfisch schwamm munter, ging ans Futter und alles schien in Ordnung zu sein. Nach einer Woche kam es jedoch zum Ausbruch von Cryptocarion und trotz einer medikamentösen Behandlung von ca. 6 Wochen, verlor ich meinen gesamten Fischbestand. Nach diesem herben Rückschlag überlegt ich lange wie es weitergehen sollte. Auf ihn verzichten oder weitere Versuche mit ungewissem Erfolg durchführen? Ich entschied mich für die zweite Variante. Das war der Anfang. In den folgenden 5 Jahren hielt ich in einem neuen 1000Liter Aquarium noch 2 weitere Exemplare mit wechselndem Erfolg, aber schon beim zweiten Versuch sammelte ich sehr wichtige Erkenntnisse, welche mich letztendlich zu einer Langzeitstudie motivierten, mit dem Ziel allen Acanthurus-Arten bei ihrem schwierigen Aquarienleben zu helfen.
Als Stammbesatzung hielt ich den Z. flavescens, Z. xanthurum, Chelmon rostratus, C. loricula und paar weitere kleine Fische.
Um herauszufinden, welche Faktoren für den Doktor schädlich sind, musste ich nach und nach einzelne Änderungen vornehmen und einige
Versuche durchführen. Ich testete und wechselte unterschiedliche Futtersorten, Salzmarken, Vergesellschaftungen mit anderen Fischen
und Korallen, Beleuchtungsart und Dauer, Wasserfiltrierung usw., jedes Mal mit mindestens einem Monat Wartezeit und ständiger
Beobachtung. Bei stärkeren Parasitenbefall wurde der Doktorfisch mit Hilfe einer Fischfalle gefangen und in ein
300-Liter-Quarantänebecken untergebracht bis er sich auskuriert hatte, bei leichtem wurde ein Teil-Wasserwechsel vorgenommen, das
Licht reduziert und keine Spurenelemente zugegeben. Es war einmal besser, einmal schlechter. Ganz ohne Pünktchen hätte ich ihn nicht
länger als 2 Monaten halten können. Ein ständiges Hin und Her. Im fünften Versuchsjahr starb auch mein dritter Weißkehl , aber nicht
umsonst. Ich war der Ursache meiner Misserfolge sehr Nahe gekommen.
Hierzu noch eine kurze Erklärung:
Durch reichliche Fütterung waren die steigenden Nitratwerte allein mit dem Berliner System nicht zu beseitigen. Daher nahm ich
gelegentlich den Schwefel-Nitratreaktor in Betrieb, was jedoch wiederum erheblich meine angewendete Ausschlussmethode störte und
letztlich zu den falschen Ergebnissen geführt hat. Ich vermutete, dass der Nitratreaktor für viele plötzlich auftretende
Verschlechterungen verantwortlich war.
Anfang 2002 habe ich der 4ten Weißkehl gekauft. Nach 10 Wochen Quarantäne kam er ins Hauptbecken, mit der bereits erwähnten
Stammbesatzung. Er lebt bis Heute vollkommen gesund, also über 4Jahre.
Was habe ich dieses Mal anders gemacht?
Bis hier wurde der Einfluss von starker HQI Beleuchtung, Spurenelementen und Nitratreaktor noch nicht eindeutig geklärt.
Meinen Beobachtungen folgend, habe ich alle drei Faktoren ohne Rücksicht auf die Korallen auf einmal ausgeschlossen:
So lief das Aquarium eineinhalb Jahre mit monatlichem 5-8% Wasserwechsel / Preis und Tropic-Marin Salz / ohne einen einzigen Fall
von Parasitenbefall. Zur Gesellschaft kam noch ein Naso lituratus, Acanthurus pyroferus und Pomacanthus navarchus hinzu. Den
letzten musste ich leider nach 4 Monaten wegen seiner Korallen-Fresssucht wieder abgeben. Alle Fische waren Top in Form. Lediglich
die Steinkorallen fingen an, langsam das Gewebe zu verlieren. Eigentlich hatte ich bereits auch auf diese Zeichen gewartet. Mit
größter Vorsicht fing ich wieder an Spurenelemente, Jod und Strontium zu dosieren, jedoch nur die Hälfte der laut Hersteller nötigen
Dosiermenge. Nach zwei Tagen waren am Weißkehl wider die ersten Pünktchen zu sehen und es hatten sich noch weitere Parasiten auf den
Flossen vom C.rostratus und C.loricula gesetzt. Ich stellte die Komponente ab und wartete. Nach 7 Tagen normalisierte sich wieder
alles. Um einen Zufall eindeutlich auszuschließen, wiederholte ich diesen Versuch noch 4-mal und kam zu demselben Ergebnis.
Aber zurück zu meinem Aquarium.
Der weitere Verlust von Steinkorallen war nicht mehr zu bremsen. Bei NO-3 Werten (ca. 60mg/L) war auch nichts anderes zu Erwarten.
Dagegen haben die Weichkorallen und Caulerpa Algen mit bis jetzt noch nicht gezeigtem Wachstum reagiert. Langsam ist aus meinem Mix
ein reines Weichkorallen-Aquarium entstanden.
Vor einem Jahr entschied ich mich ein neues Aquarium zu bauen, mit 1200 L um den Fischen mehr Schwimmplatz zu verschaffen. Der Umzug
verlief ohne Zwischenfälle und Verluste. Der Naso und der Schokoladen-Doktor kamen zurück zum bekannten Verkäufer, da sie beide mit
der Zeit zu groß gewachsen waren. Ihren Platz nahm nach 8 Wochen Quarantäne ein A.achilles ein. Es dauerte 6 Wochen bis der Weißkehl
ihn endlich akzeptierte. Heute leben alle Fische friedlich zusammen.
Seit dem Tag, an dem ich die Dosierung von Spurenelementen, Jod und Strontium komplett eingestellt habe, sind bis heute 2 Jahre
vergangen. Vor einem halben Jahr wurde auch die
UV Entkeimungs-Lampe ausgeschaltet. An der Gesundheit meiner „Problem-Fischen“ hat sich nichts geändert. Die auf dieser Seite / hier
präsentierte Bilder zeigen den jetzigen Korallenbestand. 70% davon sind Nachzucht, wenn man in diesem Fall über Nachzucht sprechen
kann. Die Weichkorallen haben sich ohne meine Hilfe bei relativ schwachem Licht und ohne die Zugabe von Spurenelementen selbst
vermehrt. Wie diese Tatsache zu erklären ist, sollte man vielleicht mal die Hersteller der Spuris fragen. Ich möchte an dieser
Stelle keine Aussage treffen, dass Generell jede Zusatzkomponente keine positive Wirkung erweisen kann oder schädlich ist, außerdem
wurden Produkte nur von einem Hersteller getestet. Vor allem sehr gute Erfolge der Korallenzüchter zeigen hervorragenden Einfluss
von Zusatz Komponenten auf Steinkorallen Wachstum. In diesem Fall handelt sich jedoch um eine Komplexe Methode und nicht um Kopflose
nachdosieren auf die Wasservolumen bezogen.
Zurückgreifend auf die Tiefen und Höhen meines Langzeit-Experiments bin ich zu den folgenden Ergebnissen gekommen:
Bei der Eingewöhnung mit den Altbewohnern hat sich folgende Methode als sehr hilfreich erwiesen:
Mein Achilles kam ins Aquarium in welchen schon 2 Jahre der Weißkehl herrschte. Um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern, habe ich den
Weißkehl ins Quarantänebecken umgesetzt. Der erste Versuch nach 4 Tagen beide Fische friedlich zu vergesellschaften gelang nicht. Deshalb musste der Weißkehl noch zweimal in seiner „Strafkammer“ landen, für 5 und danach 8 Tage. Nach dem drittem Versuch wurde keinerlei Aggression mehr beobachtet.
Ich hoffe, dass unter Beachtung der hier aufgelisteten Regeln, Acanthurus Arten nicht mehr zu den Problemfischen gehören werden.
Abschließend möchte ich Ihnen hier noch was zum nachdenken mit auf den Weg geben. Im Meerwasser-Atlas von H. A. Baensch und H.
Debelius wurden A.lecosternon und A.achilles unter guten Bedingungen als äußerst robuste Aquarientiere vorgestellt. Jedoch ist
diese Aussage bereits schon ca. 20 Jahre alt. In den folgenden Jahren hat sich die Meerwasseraquaristik entscheidend geändert. Es
wurden neue Techniken gefunden, welche nicht immer zu guter Verfassung der oben genannten beitragen. Die „guten Bedingungen“ mussten
wieder neu definiert werden und ich denke das ist mir gelungen.
Frankfurt, Juni 2006
Andreas Grycko
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